28 Stufen offline.

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28 Holzstufen, 1 Absatz und immer noch marginale Teppichreste daran. Mein Treppenaufgang ist aus den Fünfzigern, trug mal Ochsenblut, mal Teppich, zuletzt PVC oder Vinyl – rosé gemustert. Ich brauchte sechzehn Stunden, um den alten Kleber der Trittstufen zu entfernen – und fast sechs Monate, um überhaupt irgendetwas mit diesen Stufen anzufangen.

Sechs Monate standen irgendwelche Kisten darauf, 1-3 pro Stufe, und irgendwie war der Absatz immer nur ein Platz zum Abstellen von Dingen, die man nicht braucht. Im Winter warteten dort die Hibiskus und Orangen auf dauerhafte 10 Grad Celsius, im Sommer das Werkzeug darauf in den Keller zu dürfen.

Ich habe versucht auf diese Ecken zu verzichten, nur zu behalten, was ich auch brauche, keinen Stauraum, keine Schubladen oder Schränke zu kaufen, die nur für irgendwelche Utensilien da sind, die sonst nirgendwo einen Platz haben. Ich wollte, dass jede noch so kleine Ecke unter meinen Dachschrägen instagramable ist. Und lief an der hier 8x täglich vorbei, das ist mindestens 56x in der Woche. Noch öfter eigentlich. Und ich sah sie nicht, ich vernachlässigte sie.

Vor sechs Monaten hatte ich kein Thema, nur diesen Teppich, in den ich mich Hals über Kopf verliebt hatte, den ich kaufte, obwohl ich gar keinen Platz und auch keine Idee dafür, nicht einmal einen Fußboden gehabt hätte. Aber solche Dinge fügen sich irgendwann.

Ich bin eben diese Schublade voller orientalischer, hippie, retro Stücke.

Und mit ein bisschen Industrial Design. Als hätte ich meinen Kopf einfach auf dem schmalen Treppenaufgang ausgekippt, fanden sich zu dem Teppich erst vor wenigen Wochen Windlichter aus Buntglas mit goldenen Rändern – und ein Thema. 

Analog. Das Thema war analog.

Ein uraltes, noch immer funktionierendes Wählscheibentelefon von meinem Papa, ein Medizinball, der einen unweigerlich an den verstaubten Schulunterricht erinnert und der Analogfilm-Vergrößerer, der noch immer auf unentwickelte Filme aus Paris wartet.

Das alles hat eine Geschichte. Das alles hat meine Geschichte. Und das alles erzählt sie mir, während ich 8x täglich und 56x in der Woche – mindestens – die Stufen hoch- oder runterstolpere.

Motive, die dieses Gefühl, einen Teil der Geschichte, meiner Geschichte, perfekt zu Ende erzählen, fand ich im Online-Shop Posterlounge, nachdem ich mit ihm schon mein Schlafzimmer geupdatet und den wahnsinnig schmalen Flur überhaupt erst zu einem Raum gemacht hatte, zwischen tausenden fabelhaften Malereien, Fotografien und Illustrationen. 

Da sind die James Bond Schauspieler auf Leinwand, die ich alle gesehen hab, schon als sechs Jährige, mit Mama und Schokoladenkeksen auf der Couch. Oder Charlie Caplin in Der Vagabund und das Kind, dessen alter Rahmen mir von der Wand fiel und, nachdem das Poster verrutschte, nur noch perfekter mit dem Thema matchte.

Da ist eine Message von Yoko Ono und John Lennon, zu dessen Yesterday ich im Musikunterricht der Grundschule das erste Mal Gänsehaut bekam, und die englische Vintage-Zeichnung eines Herzens, die mich an die verregnete Rush-Hour und den Stromausfall in London erinnert.

Und das reisende Lama oder das träumende Mädchen? Schon fast ein Selbstporträt.

Und? Was wäre euer Thema?

Daniela

AUTOR | POSTPRODUCTION

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